27.01.2019 19:54 Age: 175 days
Category: ALL, Chronik

Westtiroler Kraftwerke AG und Haiming: Eine lange Geschichte mit unbekanntem Ausgang


Die Vorgeschichte ist bekannt. Seit Jahren bemüht sich eine Gruppe Haiminger, angeführt vom ehemaligen Amtsleiter Anton Raffl, um Wiedergutmachung. Es geht um die Gründe am „Beinkorb“, die in den Jahren der NS-Herrschaft von den Westtiroler Kraftwerken von den Bauern abgelöst wurden. Das „Geschäft“ erfolgte unter der Voraussetzung, dass die Gründe für einen geplanten Kraftwerksbau in Anspruch genommen würden.

Aus dem Kraftwerksbau wurde nichts, auch die bereits in Angriff genommene Windkanalanlage wurde in Anbetracht des Zusammenbruchs des Dritten Reiches nicht vollendet. Was folgte war eine dahin schlummernde Baustelle, zähe Verhandlungen zwischen Gemeinde Haiming und Westtiroler Studiengesellschaft bzw. TIWAG. Bis das Projekt des Tiroler Speckproduzenten Handl just auf dem im TIWAG-Eigentum befindlichen Riesengeländes umgesetzt wurde und dem Tiroler Energieversorger gutes Geld bescherte, damit schien für alle Seiten der Fall endgültig erledigt. Eigentlich hätte die TIWAG die Gründe schon längst den ehemaligen Eigentümern zum Rückkauf anbieten müssen, und das zu einem fairen Preis der in etwa dem Verkaufspreis von damals entsprach – so die Meinung der Erbengemeinschaft, die seit das Handl-Projekt publik wurde, neue Diskussionen entfachte und klare Forderungen stellte.

Am 12. Dezember folgte der nächste Akt dieser unsäglichen Geschichte. Anton Raffl und Adi Meierkord aus Oetz (er hat sich mit der Thematik seit Jahren intensiv auseinandergesetzt) luden zu einer Momentaufnahme mit Präsentation in den Oberlandsaal. Zu Wort kamen der Historiker Manfred Grieger und der Jurist Bernhard Koch, die ihre Untersuchungsergebnisse dem Publikum darlegten. Beide wurden vom Amt der Tiroler Landesregierung in jene Historikerkommission berufen, die Licht in das dunkle Kapitel „Beinkorb“ bringen sollten.

Das von der Erbengemeinschaft immer wieder ins Spiel gebrachte Argument „der Verkauf ist damals unter massiven Druck der Machthaber von statten gegangen“ konnte und wollte der Historiker Grieger nicht gelten lassen. „Meine Recherchen haben ergeben, dass mehr als 20 NSDAP-Mitglieder als Verkäufer der Beinkorb-Wiesen aufscheinen“, betonte Grieger. Auch der Jurist Koch machte den Haimingern an diesem Abend keine Hoffnungen. Ein explizites Rückkaufsrecht sei in den von ihm kontrollierten Verträgen nicht aufgeschienen – nur bei einem, ihm später vorgelegenen Fall sei das so gewesen.

RA Dr. Bernd Oberhofer, der die Interessen der Erben vertritt sieht doch eine realistische Chance, dass die Erben zu ihrem Recht kommen. Er glaubt, dass man durch den Wegfall der Geschäftsgrundlage (es wurde und wird kein Kraftwerk gebaut) mit einer Klage beim OGH durchaus reüssieren könnte.

Schließlich trat auch Hannes Schmid als juristischer Vertreter der TIWAG AG an das Rednerpult. Er kündigte indirekt eine Fortsetzung der in den vergangenen 75 Jahren gut funktionierenden Strategie an: „Wir sind jederzeit zu Gesprächen bereit“, so Schmid.

Für die betroffenen Haiminger gibt es realistisch gesehen auch nach diesem Abend weiterhin wenig Licht im Tunnel. Auch die Erben sind inzwischen nicht mehr der jüngeren Generation zuzurechnen und wenn diesen nicht bald eine Lösung angeboten wird, dann wird der Fall „Beinkorb“ wohl endgültig als Stück Haiminger Geschichte mit wenig Glorie seitens der mächtigen TIWAG verstauben. Da bieten auch die unmissverständlichen Aussagen von Manfred Grieger und Bernhard Koch keinen allzu großen Hoffungsschimmer, beide zielten in ihren Resümees – auch ohne Einbeziehung eines Rechtstitels - in Richtung „gütliche Lösung“.

Text und Foto: Manfred Wegleiter