18.07.2017 09:15 Age: 65 days
Category: ALL, Jugend

Junges Schicksal

„Meine wirkliche Heimat ist Österreich“


Zarlascht Habibi besucht seit etwa einem halben Jahr die 3b- Klasse der NMS Haiming. Hier erzählt sie von ihrer Heimat und von ihrem Leben bei uns: Am 28. September 2016 kamen wir nach Österreich und leben nun seit sieben Monaten hier. Meine Familie ist groß: ich lebe mit meiner Mutter, mit den zwei Brüdern und einer Schwester zusammen. Leider ist der Vater nicht bei uns, wir haben alle Hoffung verloren ihn wiederzusehen, aber trotz dieser Probleme versuchen wir uns glücklich zu zeigen, sodass andere sich nicht mit uns langweilen.

Wir gehen zur Schule, knüpfen Kontakte und jetzt können wir versuchen unsere Probleme zu lösen. Jeder von uns hat Träume, und vielleicht eines Tages werden sie in Erfüllung gehen. Ich wollte schon immer eine Heimat haben, eine glückliche Familie, treue Freunde, viel Lächeln und regenbogenfarbene Tage in unserem Leben. Wir träumten und träumen auch heute noch. Jetzt habe ich nur ein Ziel: eine Ingenieurin zu werden. Es ist interessant, dass unsere Länder gegenüber den europäischen Ländern sehr unterschiedlich sind.

Darüber hinaus gibt es viele Unruhen in Afghanistan, und es gibt einige seltsame Traditionen. Zum Beispiel wird Mädchen nicht das Recht gegeben zu leben, wie sie wollen. Sie dürfen nicht in die Schule gehen. 12- jährige Mädchen werden mit 50-60-jährigen Männern verheiratet und die Eltern bekommen Geld dafür. Wenn ein Mädchen erwachsen wird, sollen die Eltern einen Mann suchen und ruinieren damit ihr Leben und ihre Träume. Manche Eltern haben Verständnis für ihre Töchter, aber sie sind wenige. Es schmerzt mich, beschämt über meine Heimat zu sprechen, aber es ist wahr, und wir sollten es nicht verbergen. Als wir in Tadschikistan waren, gingen wir mit Spaß in die Schule, aber nach Hause kamen wir traurig. Der Grund für diese Traurigkeit waren Buhrufe und Demütigungen von Menschen. Aufgrund der Tatsache, dass wir eine dunklere Haut haben, begannen uns Kinder in der Schule und auf der Straße auszulachen, ohne über unsere Gefühle nachzudenken.

Ich hasste mich. Jeden Tag wurde unser Herz zerbrochen und jeden Tag wieder haben wir versucht, die Stücke aufzusammeln. Aber sobald ich Österreich sah und diese guten Menschen, erkannte ich, dass es auf der Erde auch Engel gibt. Hier fühle ich mich wie im Märchen. Die Schönheit Österreichs bezaubert uns. Hier sind Berge und Wälder. Alle natürliche Schönheit gab Gott Österreich. Es geht uns sehr gut hier, alle helfen uns immer: Im Heim Doris Habicher, Petra Hoffmann, Petra Gabl - sie kommen immer zu uns und helfen. Die Lehrer und Lehrerinnen, Mitschüler und Mitschülerinnen sind sehr freundlich mit uns. Ich glaube, dass Österreich meine wirkliche Heimat ist. Bitte, liebt euer Land, ich liebe mein Land auch. Ihr habt alles, und in eurem Mutterland ist es auch ruhig und freundlich. Danke, dass wir hier sein dürfen. 

Text und Foto: Zarlascht Habibi