28.04.2017 09:36 Age: 208 days
Category: ALL, Gemeinde

120 Jahre Raiffeisenkasse Haiming


Die in vielen Gegenden zunehmende Verarmung der ländlichen Bevölkerung nahm der deutsche Sozialreformer Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818 - 1888) zum Anlass, mit der Gründung von Genossenschaften die Not zu lindern. Die unbedingte Selbsthilfe schien Raiffeisen ein probates Mittel, um einerseits Geld aufzutreiben und andererseits die Kenntnisse der Mitglieder zu erweitern. Der weitblickende Kassl-Wirt Johann Tobias Haid aus Oetz leitete die erste Gründung einer Raiffeisenkasse in Tirol 1888 in die Wege. Schon neun Jahre später fanden sich in Haiming „Nachahmer“.

Gründung

Am 11. April 1897 war es soweit, der „Spar- und Darlehenskassenverein Haiming“ wurde aus der Taufe gehoben. 36 Mitglieder sind der Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung beigetreten. Zum ersten Obmann wurde Simon Kneißl gewählt. Ihm zur Seite standen die Vorstandsmitglieder Ignaz Stigger, Alois Zoller, Ferdinand Praxmarer und Johann Haslwanter. Zum Obmann des Aufsichtsrates wurde Pfarrer Anton Senn gewählt, die Zahlmeisterstelle übernahm Kooperator Joel Eberhard.

Die erste Kasse war im „Ötzer Haus“ untergebracht. Dieses „Mehrzweckgebäude“ an der Kreuzstraße (heutiger Standort der Ordination von Zahnärztin DDr. Szylvia Heger) beherbergte über Jahrzehnte auch die Volksschule und diente als Probelokal für die Musikkapelle Haiming. In einem Zimmer des Hauses wurden auch Leichenöffnungen vorgenommen. Der Familie Kapeller „Ötzer“ (später Kopp) diente es als Wohnhaus.

Die ersten Jahrzehnte

Geöffnet hatte die Raiffeisenkasse ihre Pforten in den ersten Jahrzehnten ihres Bestandes an Sonntagen nach dem Amt. Langjährige Funktionäre in den Folgeperioden waren Franz Josef Götsch, Ignaz Gager und der Zahlmeister Johann Kopp. Wie viele andere Unternehmen segelte auch die Raiffeisenkasse Haiming zu manchen Zeiten in „unruhigen Gewässern“. Die große Feuerbrunst von 1897, die Wirren des 1. Weltkrieges mit den katastrophalen wirtschaftlichen Auswirkungen und die nach der Inflation notwendig gewordene Sanierung der österreichischen Währung mit Einführung des Schillings am 1. 1. 1925 verlangte von Funktionären und Mitgliedern großen Einsatz und Wagemut.

Aufbruchsstimmung

In den Jahren nach dem 2. Weltkrieg erholten sich in Zeiten des Wiederaufbaues auch die Raiffeisenkassen. Die Geschäftsfelder wurden erweitert, die Kassenlokale modernisiert, das Personal aufgestockt.

Im Jahre 1960 erweiterte die Raika Haiming ihren Geschäftsbetrieb auf Ötztal-Bahnhof und eröffnete eine Wechselstube. Die „Raika“ wird zur Vollbank: Investitionen in Räumlichkeiten und Gebäude werden getätigt, es setzt eine fachliche Schulungsoffensive ein und die „Anwerbung“ von Kunden gewinnt an Bedeutung. Vom Schulkind bis zum Senior – jeder soll bei Raiffeisen ein Sparbuch und Konto haben.

Die Haiminger Raika ist inzwischen in das neue Gemeindehaus übersiedelt (1968), in Ötztal-Bahnhof ist sie im 1. Stock des Geschäftshauses Wammes untergebracht. 1975 erwirbt die Raiffeisenkasse ein Grundstück am Bahnhofsplatz und lässt dort ein modernes Bankgebäude errichten.

Verschmelzung

Ein weiterer Meilenstein wird mit der großen Fusion von 1981 gesetzt: Die Raika Haiming verschmilzt mit den Raiffeisenkassen Roppen und Silz und Umgebung zur „Raika Silz, Haiming und Umgebung“. Für einige Haiminger Funktionäre bedeutet dies auch Abschied von ihrer langjährigen Tätigkeit, da laut Fusionsvertrag aus allen Gemeinden Funktionäre im neuen Gesamtinstitut vertreten sein müssen.

Einlagen-Ausleihungen-Umsatz

Im Jahre 1966 betrug der Umsatz der Raikas Haiming, Roppen, Silz, Mötz und Stams 162,8 Millionen Schilling, die Sparguthaben der Kunden lagen bei ca. 10 Mio. Schilling, die Ausleihungen bei ca. 8 Millionen. Zwanzig Jahre später: Einlagen 400 Mio. Schilling, Ausleihungen ca. 220 Millionen. 1996 stiegen die Einlagen auf knapp 900 Mio. und die Ausleihungen auf ca. 700 Mio. Schilling. 2016 betrug der Anteil an Spareinlagen 75 Mio. Euro, die Ausleihungen pendelten sich auch in dieser Größenordnung ein. Die Bilanzsumme betrug im Jahre 2016 rund 124 Mio. Euro.

Funktionäre heute

Als Geschäftsleiter fungieren Erwin Neurauter und György Orban, die Zweigstelle Haiming wird von der langjährigen Mitarbeiterin Beatrix Markt und ihrem Kollegen Yasin Düldül geleitet. Obmann des Institutes ist Dr. Josef Kurz (Roppen), als Aufsichtsratschef ist Richard Wille (Silz) tätig. Funktionäre aus Haiming sind Ing. Michael Wallnöfer (Vorstand), Christian Eiter (AR-Stv.) und Josef Kapeller (AR).

Im März 2017 übersiedelte die Zweigstelle Haiming in das neu errichtete Gemeindezentrum. Während der Bauzeit war die Raika in einem Bankcontainer auf dem BILLA-Parkplatz untergebracht.

Text: Manfred Wegleiter

Fotos: Raiba Silz-Haiming, Manfred Wegleiter