25.07.2016 20:39 Age: 2 yrs
Category: ALL, Gemeinde

Interview mit Alois Burkert

Am 3. Dezember 2015 übernahm Alois Burkert die Verantwortung für den Ortsausschuss Haiming des Tourismusverbandes Ötztal. Nun traf sich das Dorfblattl mit dem Ochsengartner Gastronom zum Gespräch:


  1. Stell dich bitte den Haimingerinnen und Haimingern vor, die dich vielleicht noch nicht persönlich kennen!

    Ich wurde 1960 in Zams geboren. Meine Eltern bewirtschafteten von 1962 bis 1982 den Alpengasthof Lüsens im Sellraintal. 1979 wurde mit dem Bau des Gasthof Burkert in Ochsengarten begonnen, welcher 1982 eröffnet wurde. Ich selbst war dann nach meiner Lehre zum Koch im Hotel „Grauer Bär“ in Innsbruck noch zehn Jahre Hüttenwirt auf dem Westfalenhaus. 1994 habe ich den Betrieb von meinen Eltern übernommen. Seit damals arbeite ich auch schon als Funktionär im Tourismusverband mit. Unsere beiden Söhne Michael und Stefan arbeiten im Betrieb mit, unsere Tochter Bettina ist diplomierte Krankenschwester in Innsbruck. Ich bin gerne in der Natur, im Sommer beim Bergsteigen und im Winter beim Skitouren gehen.
  2. Du führst mit deiner Familie seit mehr als zwanzig Jahren erfolgreich einen Tourismusbetrieb. Wie hat sich die Branche in den letzten Jahren verändert?
    Wir waren früher im Winter extrem abhängig von Kühtai. Mit dem Bau der Ochsengartenbahn im Jahr 2000 hat sich hier in Ochsengarten alles sehr positiv entwickelt. Wir sind sicher noch nicht am Ende der Entwicklung angekommen, da ist Sommer wie Winter noch sehr viel Potential da, aber wir sind sicherlich auf einem sehr guten Weg hier heroben. In der Vergangenheit wurde Touristikern oft vorgeworfen nur auf ihre Gäste zu schauen, heute ist in der Bevölkerung ein anderes Bewusstsein vorhanden. Die Einheimischen sind dem Tourismus gegenüber, der für den Wohlstand in unserer Region verantwortlich ist, positiv eingestellt und wissen, dass diese Infrastruktur auch ihnen selbst zugute kommt. Ein einfaches Beispiel ist hier der öffentliche Nahverkehr – nur durch den Tourismus wurden die Seitentäler so gut erschlossen, wie sie es heute sind. Der Erhalt der Natur ist sicherlich sehr wichtig, unsere ganze Branche ist abhängig davon, aber eine sinnvolle Weiterentwicklung muss in allen Bereichen möglich sein, denn Stillstand ist der Tod einer Region, wofür es auch zahlreiche anschauliche Beispiele gibt.

  3. Durch die Zugehörigkeit zum Tourismusverband hat sich in den letzten Jahren in Haiming Einiges getan. Was sind für dich die wichtigsten Projekte diesbezüglich?
    In den letzten Jahren war die private Investition in die Area47 sicherlich ein Anschub für den Sommertourismus hier am Taleingang. Wichtig sind aber auch der Klettersteig in der Geierwand, der Waldspielplatz hier in Ochsengarten, das Projekt Apfelmeile, das Widiversum oder der gemeinsame Skipass und Shuttle-Verkehr mit Kühtai sowie der Wander- und Skibus von Haiming über das Sattele zu uns nach Ochsengarten.


  1. Was sind deine konkreten Aufgaben als Ortsvertreter?
    Ich bin Teil eines sehr gut arbeitenden Teams. Zum Ausschuss gehören Mike Reden als mein Stellvertreter, sowie Elisabeth Prantl, Peter Neurauter, Monika Prantl, Franz Scheiber, Elmar Fiegl, Armin Neurauter, und als kooptiertes Mitglied Alois Neurauter. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass mein Vorgänger, Herr Alois Neurauter über all die Jahren hinweg, sehr engagiert die Geschicke geleitet hat und ich gut funktionierende Strukturen übernehmen kann. Wir vertreten die touristischen Interessen unserer Gemeinde im großen Talverband. Natürlich fungieren wir als Ideengeber für Infrastrukturprojekte in Haiming und können dabei mit Mag. (FH) Christoph Rauch, der übrigens inzwischen auch in Haiming wohnt, auf einen absoluten Profi in der Umsetzung zurückgreifen. Der Ostsausschuss hat ein eigenständiges Budget von insgesamt 150.000 € pro Jahr, das ausschließlich für ortsgebundene Maßnahmen zur Verfügung steht. Eine meiner Hauptverantwortlichkeiten ist natürlich, dass dieses Geld sinnvoll eingesetzt wird und an den richtigen Stellen landet.

  2. Manche meinen, dass der Tourismusverband zu sehr auf die Orte ganz hinten im Tal fokussiert ist. Wie siehst du das als Ortsvertreter?
    Der Wechsel in den großen Verband Ötztal Tourismus war für uns alle Neuland und auch mir war davor nicht ganz wohl bei der Sache. Heute bin ich aber überzeugt davon, dass der einzige richtige Weg der von großen Destinationen ist und da hilft uns ein starkes Zugpferd wie Sölden. Natürlich sind wir auf eine hohen Level, was Abgaben (Kurtaxe, Promille-Satz für Industrie und Gewerbe) anbelangt, aber wir bieten auch ein Top-Level was Infrastruktur und Service anbelangt. Das kommt nicht nur Gästen zugute, sondern zu gleichen Teilen auch uns Einheimischen. Durch die Größe des Verbandes sind auf allen Ebenen absolute Profis am Werk, das könnte sich ein kleiner Verband niemals leisten. Ich bin mir also sicher, dass wir als Ostausschuss Haiming vom Ötztal Tourismus absolut profitieren.

  3. Als Ochsengartner betrifft dich das Skigebiet Hochoetz natürlich unmittelbar. Was wird hier in den nächsten Jahren passieren?
    Aktuell wird ja gerade die Gondelbahn von Sölder Giggijoch bei uns montiert, was ein absolut notwendiger Schritt war. Die geplante Abfahrt von Balbach nach Ochsengarten würde unseren Standort natürlich auch weiter stärken. Hier werden aktuell verschiedene Varianten mit dem Naturschutz geprüft. Gegen Ende der abgelaufenen Wintersaison haben sich die beiden Skigebiete Hochoetz und Kühtai dazu bekannt, den Zusammenschluss voranzutreiben. Das ist eine sehr wichtige Zukunftsvision, weil ich sicher bin, dass jedes dieser Gebiete für sich langfristig zu klein ist, um attraktiv zu bleiben.

  4. Es gibt zwar einen gemeinsamen Skipass und einen Shuttleverkehr mit Kühtai, aber Ochsengarten und Kühtai sind doch in unterschiedlichen Tourismusverbänden. Was sind die Schwierigkeiten und wie sieht hier für dich die Zukunft aus?
    Das mit den unterschiedlichen Tourismusverbänden stimmt zwar, aber die Zusammenarbeit funktioniert gut. Im kommenden Jahr sind insgesamt 60.000 € vom TVB Innsbruck und dem Ötztal Tourismus als auch den Bergbahnen Oetz und Kühtai alleine dafür reserviert, den gemeinsamen Skipass besser nach außen zu repräsentieren. Es gibt immer wieder Nahtstellen-Projekte, aber ich bin der erste, der hier noch intensiver und besser zusammenarbeiten möchte.

  5. Ochsengarten ist weit vom Hauptort entfernt, die Postleitzahl und Telefon-Vorwahl hat man mit Oetz gemeinsam. Provokativ gefragt: Fühlt sich ein Ochsengartner überhaupt als Haiminger?
    Ja. Geographisch sind wir zwar wirklich Oetz näher und zum Einkaufen fahren auch fast alle über Oetz, aber wir wurden und werden von der Gemeinde Haiming immer gut bedient und erfahren hier eine starke Unterstützung durch die Verantwortlichen.

  6. Der Sommertourismus wird immer wichtiger. Haiming ist hier mit Rafting, Klettern, Radfahren, Wandern ... ganz gut aufgestellt. Ochsengarten war bisher naturgemäß eher eine Wintersportdestination. Gibt es hier Ideen, den Sommer noch attraktiver zu gestalten?
    Die Gondelbahn wird ab dem kommenden Sommer 2017 an drei Tagen in der Woche von Ochsengarten nach Hochoetz hinauf fahren. Heuer wird das durch den Wanderbus ermöglicht. Der Höllwiesenweg vom Waldspielplatz nach Mareil hinein ist für Familien eine ideale Wanderstrecke, ebenso der Bienenthemenweg. Seit heuer gibt es eine eigene „Schatz“-Karte für Geocaching rund um Ochsengarten. Auf der Ötztaler Höhe sind wir gerade dabei, drei Single-Trail-Strecken für Mountain-Biker zu projektieren. Das Thema Mountain-Biken und speziell das E-Bike sind ein riesiger Trend, den wir unbedingt nutzen sollten. Dazu brauchen wir aber auch die Unterstützung des Landes, damit unser alpines Wegenetz zumindest zu großen Teilen für die Biker freigegeben werden kann. Ein weiterer Baustein im Angebot wird sicher auch die Apfelmeile werden, die wir 2017 umsetzen wollen.


Das Dorfblattl bedankt sich für das informative Gespräch und wünscht dir viel Kraft, Energie und Durchhaltevermögen für die vielen Ideen und Projekte.