24.07.2015 12:00 Age: 4 yrs
Category: ALL, Gemeinde

Zusammenhalt der Haiminger Bevölkerung rettet unser Naherholungsgebiet Forchet

Im Frühjahr dieses Jahres wurden erstmals vernommen, dass die Gemeinde Haiming im Forchet östlich der Firma AVE eine große Fabrik ansiedeln lassen möchte. Die Firma Handl möchte in Haiming den Nordtiroler Speck zu produzieren, um die bestehenden Werke in Pians, Schönwies und in Südtirol zu entlasten. Die Gemeinde müsste dafür Wald im Ausmaß von unglaublichen zehn Hektar Fläche (100.000 m²) roden. Zum Vergleich: auf die gleiche Fläche passen zehn große Fußballfelder!



Besorgte Bürger aus allen Teilen der Bevölkerung, mit unterschiedlichster sozialer, beruflicher und auch politischer Herkunft waren sich einig, dass der Forchet hier unbedingt geschützt werden soll. Der betroffene Wald ist ein vielbesuchtes Naturjuwel, nur wenige Meter von der nächsten Wohnsiedlung entfernt. Spaziergänger, Wanderer, Familien mit Kindern und Sportler schätzen den Forchet als Naherholungsgebiet. Außerdem ist der Forchet als ursprünglich erhaltener Bergsturzwald mit vielen seltenen Pflanzen- und Tierarten ein ökologisches Naturjuwel, das es für die Zukunft zu bewahren gilt. Zudem müsste für dieses Vorhaben die Straße zwischen Ötztal Bahnhof und Haiming zur Bahntrasse verlegt werden. Rund 40 LKW sollen dort täglich die Ware für die Firma Handl anliefern. Die von der Verlegung betroffene Straße dient nicht nur als Verbindungsstrecke zwischen den Ortsteilen, sondern wird auch viel von Kindern und Jugendlichen mit dem Rad oder zu Fuß genutzt, um ins Schwimmbad oder zu den Sportstätten (Fußball-, Tennis- und Skaterplatz) zu fahren. Ob dies auch noch während der langwierigen Bauarbeiten und mit dem geplanten Großbetrieb möglich wäre, ist fraglich. In der Bevölkerung entstand die Befürchtung, dass die Entscheidung für die Betriebsansiedelung (und damit gegen den Wald) so schnell wie möglich durch den Haiminger Gemeinderat gebracht werden soll.

Mehr als Gründe genug, um eine Initiative gegen die Ansiedlung eines Großbetriebes in diesem Bereich des Forchet zu starten. Gemeinsam mit der bestehenden Bürgerinitiative „Schützt den Forchet“ und vielen neuen engagierten BürgerInnen startete eine motivierte und kraftvolle Kampagne für den Forchetwald. Unglaubliche 35 Personen erklärten sich bei einem informellen Treffen spontan bereit, mit Listen bepackt von Haus zu Haus zu ziehen, die Bevölkerung zu informieren und um Unterstützungsunterschriften für eine Volksbefragung zu bitten.
Der Zuspruch unter den Bewohnern in allen Ortsteilen der Gemeinde war groß: innerhalb von nur acht Tagen hatten mit ca. 1.300 Unterschriften bereits doppelt so viele Wahlberechtigte als benötigt den Antrag unterzeichnet – ein deutliches Signal für den Forchet!

Zur Abgabe dieser Unterschriften und Einleitung der Volksabstimmung musste es jedoch gar nicht mehr kommen: Trotz aller anfänglichen Zweifel und ohne Unterstützung des Bürgermeisters konnte die Bürgerinitiative in persönlichen Gesprächen mit Christian Handl, der das Projekt für die Fa. Handl abwickelt, die Firma dazu anregen, einen alternativen Standort – etwa südlich der Bundesstraße oder auf der Ötztaler Höhe – zu suchen. In sehr konstruktiven Telefonaten und bei einem anschließenden Treffen erklärte sich der Unternehmer bereit, die Lage südlich der Bundesstraße, östlich der Fa. Fiegl, zu prüfen und zu planen. Eigentümer dieser Flächen ist unter anderem die TIWAG, welche einem Grundverkauf an die Fa. Handl zustimmen würde.

Nach eingehender Prüfung der dort vorhandenen Struktur zeigte sich dieser Standort für die Fa. Handl sogar als der idealere: solider Untergrund mit wenigen Geländestufen, gute Verkehrsanbindung, saubere Luft und große Distanz zur Autobahn sind ausschlaggebende Kriterien. Die zwei auf dem Gelände vorhandenen Hochspannungsmasten können erhöht werden, sodass der Betrieb auch unter diesen Bereichen errichtet werden kann.

Derzeit befindet sich das Projekt noch in der Planungsphase – es ist aber davon auszugehen, dass der Betrieb südlich der Bundesstraße angesiedelt wird.

Durch das Engagement der Bevölkerung ist somit eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten entstanden:

  • die Gemeinde profitiert von der Ansiedlung eines renommierten, heimischen Großbetriebs
  • das Unternehmen Handl hat einen idealen Niederlassungsstandort und
  • den Einwohnern der Gemeinde sowie den Tieren und Pflanzen bleibt das Naherholungsgebiet Forchet erhalten.


Unser Dank gilt all jenen GemeindebürgerInnen, die durch die Abgabe ihrer Unterschrift ein Zeichen gesetzt haben und vor allem all jenen HelferInnen, die mit ihrem Einsatz und Zeitaufwand die nötigen Unterschriften gesammelt haben. Nur mit diesem starken Auftritt konnte ein derart positives Ergebnis erreicht werden! Wir sind erleichtert über diese erfreuliche Wendung und überzeugt, dass damit auch für die Zukunft ein starkes Zeichen für den Forchetwald gesetzt wurde. Von Seiten der Gemeinde wünschen wir uns ein für die Zukunft verbindliches Gesamtkonzept, das den Erhalt des Forchetwaldes, so wie er jetzt ist, garantiert.

Text&Foto: Bürgerinitiative „Schützt den Forchet“